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31.05.2015 16:31

Offener Brief an die Mitglieder des HEV

Die überwiegende Mehrheit der Hauseigentümer wäre von der Erbschaftssteuer nicht betroffen


Der Hauseigentümerverband (HEV) betreibt bewusste Desinformation im Rahmen der Abstimmung zur Erbschaftssteuer. Daher mein offener Brief an die Mitglieder des HEV (in Form eines Leserbriefs im BT und der SO):


Geschätzte Mitglieder des HEV,

Ihre Verbandsfunktionäre sind in Aufregung. In zahlreichen Leserbriefen und Broschüren ereifern sie sich über die Erbschafssteuerreform. Als „gemeiner Raubzug“ oder als „Zerstörung des Wohlstands“ wird die Initiative betitelt. Man könnte meinen, morgen werde das Wohneigentum verboten.

Die Realität ist anders: Gemäss den Zahlen des Kantons wären von der Erbschaftssteuer nur 2% der Bündnerinnen und Bündner betroffen! Erben Sie das Elternhaus, müsste dieses einen Wert von 8 Mio. Franken haben (bei einer Belehnung von 50%), damit Sie von der Erbschaftssteuer betroffen wären. Die Initiative sieht nämlich sehr hohe Freibeträge von 2 (Einzelpersonen) bzw. 4 Mio. Franken (Ehepaaren) vor. Obschon die Verbandsoberen hunderttausende Franken für Inserate ausgeben, klären diese Sie über den wichtigsten Punkt der Initiative nicht auf. Normale Erbschaften von Geschwistern, Tanten oder nicht direkt Verwandten, auf die heute Steuern bezahlt werden, werden mit der Initiative steuerfrei. Sie entlastet darum den breiten Mittelstand der Hauseigentümer und zielt nur auf die Riesenvermögen. Die Einnahmen kommen primär der AHV zugute, die aufgrund der älter werdenden Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten zusätzlichen Finanzierungsbedarf hat.

Falls Sie also eine Multi-Millionenvilla als Erbe in Aussicht haben oder auf die AHV nicht angewiesen sind, dann verstehe ich ihre Nein-Stimme. Falls dem nicht so ist, profitieren Sie von der Initiative. Dann sagen Sie im eigenen Interesse Ja. Warum Ihr Verband in diesem Punkt nur die superreichen Villenbesitzer vertritt, und Sie, die durchschnittlichen Hauseigentümer im Regen stehen lässt, ist mir und vielleicht auch Ihnen schleierhaft.

Conradin Caviezel, SP-Grossrat Chur


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